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Kreiselvisiere

( Gyrosight)

EZ Visier  = "Eigen- und Zielgeschwindigkeitsgesteuertes Visier"

 

Dieser Visertyp ist ein Kreiselstabilisierte optische Zielplatform, welche automatisch einen Vorhaltewinkel und Gegenvorhalt berücksichtigt!

 

Für das Schiessen mit horizontaler Rohrbewaffnung oder einen Vorhaltewinkel für den Bombenabwurf im Bahnneigungs- oder Sturtzflug ermittelt.

 

Entwicklung:

 

Obwohl die einschlägige Industrie bereits 1935 dem RLM ein neuartiges, kreiselstabilisiertes Zielgerät für Maschinenwaffen angeboten hatte, wurde das seit Jahren benutzte REVI (Reflexvisier) beibehalten.

 

Diese Visiere erhielten später die Zusatzbezeichnung EZ = (Eigen. und Zielgeschwindigkeitsgesteuertes Visier). Erst nachdem Anfang 1942 aus einem US-Jagdflugzeug P-47 ein dem REVI überlegenes, kreiselstabilisiertes Zielgerät erbeutet wurde, ließ sich das RLM zu einer beschleunigten Entwicklung bewegen.

 

Im Sommer 1941 hatte man das etwa 4,0 kg schwere EZ 40 abgelehnt, von dem die Firma C. Zeiss/Jena (Entwicklung: Dr. Kortum) und die Firma Askania/ Berlin je einen Entwurf eingereicht hatten.

Die ersten Prototypen, hier ein EZ 42 von Askania, brachten den Durchbruch, auch bei der deutschen Luftwaffe.

Die Firma Zeiss entwarf das EZ 41, das in einem Stück im Sommer 1943 erprobt werden konnte, aber wieder wegen zu großer Fehler abgelehnt wurde.

 

Im Sommer 1942 hatte die Firma Askania das EZ 42 begonnen, welches für die Spannweite des Angegriffenen justierbar war. Das Gerät mit einem Gewicht von 13,6 kg, davon das Visier mit 3,2 kg, wurde zur Massenherstellung freigegeben, die von der Firma Steinheil/München begonnen wurde. Die ersten drei Stück der Musterserie von 33 Stück wurden im Juli 1944 ausgeliefert, dann wurden noch weitere 770 Geräte hergestellt (je 130 Arbeitsstunden), von denen die letzten 500 Stück jedoch erst ab Anfang März 1945 ausgeliefert werden konnten. Es handelte sich um ein aus zwei Teilen bestehendes Gerät, das durch zwei Kreisel stabilisiert war. Mit den gelieferten EZ 42 waren etwa 200 Maschinen der Typen Fw 190 und Me 262 ausgerüstet, die in der Truppenerprobung verwendet wurden. Berichte der Piloten zeigen, daß selbst Angriffe aus einem Winkel von 20° noch möglich waren.

 

Die nächste Entwicklung der Firma Zeiss baute auf das EZ 41 auf. Beim EZ 40 der Firma hatte man den Antriebsmotor des Kreisels, die Fliehkraftbremse und das Visier selbst in einem Gehäuse untergebracht, davon getrennt war nur das Reglergetriebe. Beim EZ 41 hatte man zugunsten der kleinen Bauweise das Visier getrennt.

 

Bei der Entwicklung des EZ 44, die im Herbst 1943 begann, hat man aus Gründen des beschleunigten Ablaufes Teile des Lotfe 7D (Lotfernrohr) benutzt. Die Leistungen des Gerätes waren zufriedenstellend, leider hat die Verwendung von Lotfe-Teilen den Anschein einer komplizierten Fertigung erweckt — so daß die Firma Zeiss noch eine Neuentwicklung begann.

 

Bei diesem, wieder geteilten EZ 45 A wurde für jeden Kreisel, die in dem Falle fast 6000 Umdrehungen/Min. erreichten, ein gesonderter Antrieb vorgesehen. Zum Messen der Entfernung nach dem stadimetrischen Prinzip waren im Gesichtsfeld acht Lichtpunkte sichtbar. Dieses Gerät war auch in Verbindung mit dem für die Ju 388 vorgesehenen PVE 11a, einem Doppelperiskopvisier (200 gebaut), vorgesehen. Eine Truppenerprobung des EZ 45 konnte aber nicht mehr durchgeführt werden.

 

Um ein Verständniss für dass Bedürfniss der Luftwaffe an den Eigen. und Zielgeschwindigkeitsgesteuerten Visieren (EZ 31,40,41,42 nicht gesichert = 44 und 45A) zu bekommen, wollen wir im folgenden kurz auf die Vorhaltefehler der ungesteuerten Visiere eingehen!

 

Mit ungesteuerten Visieren, bestand für den Flugzeugführer die einfachste Möglichkeit die Trefferprozente zu erhöhen darin, die Angriffe in Flugrichtung des Gegners anzusetzen und dadurch jeden Vorhalt auszuschalten. Ein Abschuss des Gegners wurde dazumal bei diesen Anflügen aber immer schwieriger, da in den späten Kriegsjahren, die Abwehr der Kampfflugzeuge nach hinten immer stärker wurde und wichtigsten Teile durch starke Panzerung gegen Beschuss in Flugrichtung geschützt wurden. Bei Vorraussetzung richtiger Vorhaltebestimmungen wird demnach ein Abschuss bei seitlichen Angriffen eher möglich sein.

 

So war es ein Zahn der Zeit, bis die Entwicklung der EZ - Visiere in Angriff genommen wurde, die dann ebenso, gegen Ende des Krieges durch ferngesteuerte- und ungesteuerte Raketenwaffen ergänzt werden sollten. Jede weitere Waffenentwicklung mit dem Ziel die Trefferwahrscheinlichkeit des Angreifers zu erhöhen oder die Kamfentfernung zur eigenen Sicherheit zu erweitern. Lagen doch die Trefferaussichten auf Jagdflugezuge bei Kampfentfernungen zwischen 200 m und 400 m der ungesteuerten Visiere im Berich von 4,5 bis 1,3 %.

 

Natürlich wurde durch die ganze Entwicklung auch versucht die Trefferwahrscheinlichkeit mit möglichst vielen Bordwaffen zu erreichen. Diese Massnahme war aber sehr Begrenzt durch die Waffentragkraft des entsprechenden Flugzeuges (Waffenträger) und deren Motorenleistung. Doch diese Entwicklung wiederspricht die Schlussfolgerungen aus den Erprobungberichten der kreiselgesteuerten Visiere in Tarnewitz.

 

Quelle: Erprobungsergebnisse Tarnewitz vom 28.01.1942

 

 

"Bei Abkomm- und Schießversuchen wurde festgestellt, daß mit einem kreiselgesteuerten Visier die Trefferprozente auf Flugziele um ungefähr 70 % gegenüber den Treffern mit ungesteuertem Visier gesteigert werden können !

Diese Verbesserung ist mit einem geringen Aufwand zu erreichen, der in keinem Verhältnis zu dem Aufwand an Gewicht und Arbeitsstunden steht, der bei Verstärkung der Kampfkraft durch Vermehrung der Waffen oder Waffenstände oder mit den sonstigen üblichen Mitteln notwendig ist."

 

 

Dies war die Geburtsstunde des EZ = Eigen- und Zielgeschwindigkeitsgesteuertes Visieres.

 

Die Fertigungsstunden für das kreiselgesteuerte Reflexvisier EZ 40 wurde von der Herstellerfirma Askania bei größerer Serie auf 250 bis 260 Std. geschätzt.

Unbekanntes Kreiselvisier in "kleiner Bauform", hier eingebaut in einer Focke Wulf 190. Aufnahme aus der Erprobungsstelle Tarnewitz ca. 1943

Zusammenfassung:

 

Aus den bisherigen Ausführungen kann zusammenfassend entnommen werden, dass ein einfaches Kreiselgerät den Vorhalt bestimmen kann, jedoch mehrere wesentliche Fehler aufweist, die seine Verwendbarkeit ohne Fehlerkorrektur durch Zusatzgeräte auf begrenzte Entfernungsbereiche beschränken. Die grössten Schussentfernungen sind weitgehend von der Ballistik der Waffe und den Eigen- und Zielgeschwindigkeiten abhängig. Sie müssen in jedem Einzelfall bestimmt werden.

Die Korrektur der auftretenden Fehler durch Zusatzgeräte vergrösserte den Aufwand und Umfang des Gerätes in jeder Hinsicht wesentlich.

Man könnte aber zBs. folgendes in Betracht ziehen....

 

Ein Drillingswaffenstand (ferngerichtet) wiegt mit 1`500 Schuss Munition 234 kg. Ein Zwillingsstand wiegt ebenfalls mit 1500 Schuß je Waffe 439 kg.

Werden also bei einem Kampfflugzeug 3 Drillingsstände gegen Zwillingsstände ausgetauscht, so ergibt sich ein zusätzliches Gewicht von 615 kg, das natürlich der Nutzlast (Bomben, Brennstoff usw.) verloren geht.

 

Der gleiche Gewinn ist bei Austausch der ungesteuerten Visiere gegen kreiselgesteuerte Reflexvisiere mit einem zusätzlichen Gewicht von ungefähr 12 kg zu erreichen. Diese Kampfsteigerung ist möglich durch die erhöhte Trefferprozente des kreiselgesteuerten Visieres auf Flugziele um ungefähr 70 % gegenüber den Treffern mit ungesteuertem Visier !

 

Die Geschichte aber lehrte uns, dass die ersten Serien der Kreiselvisiere erst gegen Ende des Krieges in verschiedenen Flugzeugbaumustern der Luftwaffe zum Einsatz kamen.