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ENTWICKLUNG UND EINSATZ DES "PERISKOPVISIER"

"PVE 9A" mit VE - Rechner 1943

TECHNIK

Das PVE 9A ragte meist unten oder auf der Seite des Flugzeugrumpfes heraus ...

 

Neue  Kampfflugzeugbaumuster der deutschen Luftwaffe sollten, nach Planung der Luftwaffenführung, ab 1944 mit Höhendruckkammern für die fliegende Besatzung ausgestattet werden. Dies, um gegenüber der künftigen Bedrohung durch hochfliegende Jagdflugzeuge der Alliierten, Paroli bieten zu können. Dazu waren hochkomplizierte ferngesteuerte Waffensysteme, in Kombination mit einem "Fernantriebe" (FA). angedacht. Diese Kombination erforderte ganz neue optische Zielsysteme, die zusammen diesen neuen Aufgaben gewachsen sein sollten. Besatzungen sollte es so  ermöglicht werden, aus druckdichten Flugzeugkanzeln gegen Ihre Gegner zu operieren.                                 

                                                                                                                                                                                 

                                                                                                                                                                                                            Von Erwin Wiedmer

Die in den Ausblickkopf des PVE eintretenden Lichtstrahlen werden durch das nach Seiten- und Höhenwinkel steuerbare Ausblickprisma senkrecht nach oben in das Objektiv abgelenkt.

Nach Durchtritt durch das Objektiv und die Umkehrlinsen im Ausblickkopf durchlaufen sie ein im Fernrohrgehäuse befindliches gesteuertes Aufrichteprisma, das den Zweck hat, ein Drehen des Bildes bei Seitenwinkelverstellungen zu verhindern, und werden über weitere Umkehrlinsen durch das im schwenkbaren Einblickstutzen angeordnete Dachkantprisma schräg nach oben in die Okularbildebene, wo das Objektbild entsteht, weitergeleitet. Das in der Okularbildebene entworfene Bild wird durch das Okular, das als Lupe wirkt, betrachtet .

 

Neuland für alle....

Aufgabe:

 

Das Bedienen und Fokusieren der ferngesteurten Waffenstände durch die Besatzungsmitglieder aus Druckkanzeln heraus.

Das PVE 9A besteht aus dem Ausblickkopf mit kugeligem Abschlußglas, dem schwenkbaren Einblickstutzen und dem Fernrohrgehäuse mit angebautem VE-Rechner.

>> Das bedienen der Waffenstände aus Druckkanzeln über Fernantriebe  <<

Das elektrisch beleuchtete Strichbild wird durch ein optisches System über eine Glasplatte in das Fernrohr eingespiegelt und ebenfalls über das Dachkantprisma im schwenkbaren Einblickstutzen in der Okularbildebene abgebildet und mit dem Okular wie das Objektbild betrachtet.

TECHNIK

Junkers Ju 288 - Die Maschine wurde im Rahmen des „Bomber B“-Programms neu entwickelt und sollte ursprünglich als Standardbomber Flugzeuge Ju 88, He 111 und Do 217 ablösen.

Die Geschoßanfangsgeschwindigkeit Vo wird jeweils durch einen Ve~Teilring für eine bestimmte Geschoßart berücksichtigt.

Als Anhalt für die Berücksichtigung des geschätzten Gegnervorhaltes ist das Strichbild mit einem 10% Vorhaltekreis versehen (z.B. 10 m auf 100 m Entfernung).

 

Der Einstellbereich für den Seitenwinkel beträgt 0 bis 360° und ist durchdrehbar. Der Einstellbereich für den Höhenwinkel beträgt von der Waagerechten aus 30° nach oben und 100° nach unten und ist durch Anschläge begrenzt.

 

Um Überdrehen der Höhenwinkelanschläge. und dadurch Beschädigungen im PVE 9A zu vermeiden, ist eine Überlastkupplung im Höhenantrieb vorgesehen, die nach jeder Umdrehung des Höhenwinkelantriebes wieder in die Ausgangsstellung einrastet. Ist im eingebauten Zustand die Üherlastkupplung in Tätigkeit getreten, so hat Sich die Visierlinie zur Waffe verstellt und der Höhenwinkelantrieb des PVE 9A muß neu justiert werden.

>> Das PVE 9A hat eine Überlastkupplung im Höhenantrieb eingebaut <<

Für die Einstellung von 0° Seiten- und Höhenwinkel sind im Ausblickkopf zwei Grobmarken und an den Kupplungen am VE-Rechner je 2 Feinmarken angebracht. Am Fernrohrgehäuse befinden sich die beiden ringförmigen kugeligen Lagerstellen (2 und 3, Abb. 1) für die im Flugzeug bzw, Visierstand vorgesehene Halterung und der Schalthebel für das in den Strahlengang des Fernrohres einschaltbare Farbglas.

VE - Einstellknopf

(VE - Eigengeschwindigkeit)

Am VE-Rechengehäuse befinden sich der Einstellknpf (Abb.1) für den Verdunklungswiderstand, mit dem die Helligkeit des Strichbildes dem Objektbild angepaßt werden kann, klappbare Deckel (6, Abb.2) mit den Vorratslampen und zwar eine Klar- und eine Farbglaslampe, der ausklappbare Nummerndeckel (13, Abb.2) mit der auswechselbaren Glühlampe für die Strichkreuzbeleuchtung, die 6-polige Steckdose (15, Abb.1 ) für den elektrischen Anschluß, der VE-Einstellknopf (7, Abb.1) die Verdrehsicherung (8, Abb.1) und die Antriebskupplungen (12 und 13, Abb. 2) für den Seiten- und Höhenwinkelantrieb.
 

Einblickstutzen

Zum Anlehnen des Kopfes beim Beobachten befindet sich oberhalb des Okulares das in der Tiefe verstellbare Stirnpolster (4, Abb.1). Zum Abhalten von seitlich einfallendem Licht tragt das Okular eine Augenmuschel aus Weichgummi.

 

Zum Einstellen der Bildschärfe ist das Okular innerhalb

4,5 dptr. (PVE 9A) verstellbar.

TECHNIK

Bestandteile des PVE 9A

Bedienung PVE 9A

Einbau des PVSE 9 A

1.    Die äusseren Glasflächen (Glasglocke am Ausblickkopf und Augenlinse am Okular) mit weichem sauberen Tuch reinigen (falls nötig).

 

2.    Prüfen, ob Geräteanschlusstecker angeschlossen und mit Sicherungsbügel gesichert ist.

 

3. Prüfen, ob Beleuchtungseinrichtung in Ordnung ist.

 

(Hierzu Bordnetz einscnalten und Verdunklungswiderstand auf "Hell" stellen). (Brennt die Lampe nicht, gegen Ersatzlampe aus dem Vorratskasten austauschen. Die am Deckel (14, Abb.2) befindlichen Reservelampen dürfen nur während des Fluges verwendet werden und sind sofort nach der Landung wieder zu ergänzen).

 

4.    Bei Tageseinsatz Klarglaslampe einsetzen.

 

5. Bei Nachteinsatz Farbglas wegschalten und Farbglaslampe einsetzen

.

6.    Bildschärfe durch Drehen des Okulares einstellen.

 

7.    Falls Sitzverstellung vorhanden, Sitz so verstellen, daß bei bequemer Körperhaltung und ohne verkrampfte Kopfhaltung das Gesichtsfeld voll übersehen werden kann.

 

(Hierzu Einblickstutzen durch Andrücken des Rasthebels in die rot gekennzeichnete Beobachtungsstellung schwenken und einrasten).

 

8.    Stirnpolster in der Tiefe so verstellen, daß bei Anlehnen des Kopfes das Gesichtsfeld voll übersehen werden kann.

 

9. Mit dem V-Einstellknopf die zu erwartende Flugzeug-Eigengeschwindigkeit einstellen.

 

(Vor dem Einstellen prüfen, ob der der Waffe und der zur Verwendung kommenden Munitionsart entsprechende Ve-Einstellring sich am PVE befindet. Wenn nicht, Ve -Einstellring austauschen).

 

10.    Schutzkappe am Ausblickkopf schließen (falls nicht schon geschehen).

 

11.    Einblickstutzen durch Andrücken des Rasthebels in die blaue Nichtgebrauchsstellung schwenken und einrasten.

TECHNIK

>> Das PVE 9A ist insbesondere für C - Waffenstände* vorgesehen !<<

Abwehr mit beweglich eingebauten Waffen

* "FDL C 131/Z  mit Zwilling MG 81 Z

 1.   Zielen vom Flugzeug gegen feststehende Ziele

 

Der Ve -Vorhalt wird durch das Einstellen der Flugzeug-Eigengeschwindigkeit Ve selbsttätig errechnet, es wird deshalb über Strichkreuzmitte gezielt.

 

 

2.    Zielen vom Flugzeug gegen bewegliche Ziele

 

Der geschätzte Gegnervorhalt muß durch die richtige Wahl des Haltepunktes berücksichtigt werden. Der Haltepunkt kann auf oder vor dem Ziel liegen, jedoch nicht hinter dem Ziel.

FDL C 131-2

Im 19.Mai 1942 wurden bei Junkers, gemeinsam mit Vertrettern der Erprobunsstelle Tarnewitz und der Fa. Rheinmetall-Borsig, die neuen Visier-Stände* zur Junkers Ju 288 für den Fernantrieb FA 15 anhand von Attrappen besichtigt. Für den A- und C- Stand wird der hydraulische Antrieb FA 15 der Firma Junkers verwendet, der Heckstand wird mit dem Verstärker  FA 6/2 der Firma AEG angetrieben. Bei dem A- B- und C-Stand werden die Visere rückwirkend vom Waffenstand über Wellen gesteuert, der Heckstand wird weiterhin vom Visierstand angetrieben.
 

* Es gab auch das  PVSE C 288 an Stelle des PVE 9A  für den "B-Stand" der Junkers Ju 288 in ähnlicher Bauweise !

1.    Schutzkappe am Ausblickkopf öffnen.

 

2.    Einblickstutzen bei eingedrücktem Rasthebel in die rot gekennzeichnete Beobachtungsstellung schwenken und einrasten,

 

3.    Helligkeit des Strichbildes durch Einstellung des Verdunkelungswiderstandes abstimmen, nötigenfalls Farbglas einschalten.

 

4.    Nötigenfalls Bildschärfe am Okular nachstellen.

 

5. Die am Fahrtmesser abgelesene genaue Ve mit Ve -Einstellknopf einstellen.

TECHNIK

Die Aufnahme des Stützlagers muß:

 

a) geteilt ausgeführt werden, um das Einbringen des PVE zu ermöglichen,

b) in seinen Abmaßen für die zylindrische Aufnahme entsprechen, damit das PVE beim Ausrichten nicht verzwängt wird.

c) nach Seite und Tiefe um +/- 2° .justierbar sein, das entspricht einem linearen Weg von +/-  20,8 mm.

 

5. Die Halterung muß, wenn notwendig durch dämpfende Verbindungsbauteile mit der Zelle verbunden sein um zu verhindern, daß Schwingungen auf das PVE übertragen werden. Die dämpfenden Verbindungsbauteile müssen jedoch so angeordnet sein bzw. ausgebildet werden, daß Winkelverschiebungen des PVE über 2/16° nicht eintreten können und möglichst nur Parallelverschiebungen stattfinden.

 

6. Für den Antrieb des PVE ist ein Seiten- und Höhenwinkelantrieb vorzusehen und so anzuordnen, daß

a) das Auswechseln des PVE möglich ist,

b) die Drehrichtungen mit denen des PVE übereinstimmen

c) die Umdrehungswerte mit denen des PVE übereinstimmen.

 

8.  Der Anschluß des Seiten- und Höhenwinkelantriebes an das PVE muß mit Hookschen Schlüsseln erfolgen.

 

9.  Für den elektrischen Anschluß muß ein zweiadriges Zuleitungskabel mit Stecker Fl 32 110-8 vorgesehen werden. Anschlußstecker und Zuleitungskabel gehören nicht zum Lieferumfang des PVE.

 

10. Der elektrische Anschluß muß dem Schalt Schema entsprechen.

11. Der Durchtritt des PVE durch die Zelle muß....

a) so groß gehalten werden, daß das PVE um +2° nach allen Seiten justiert werden kann.

b) durch eine nachgiebige Manschette abgeschlossen werden, um bei normalen Maschinen das Eindringen von Zugluft in die Zelle zu verhindern und bei druckdichten Zellen die Druckdichtigkeit herzustellen.

12. Für die Glasglocke am Ausblickkopf muß bei C-Visierständen eine weg- und vorschlagbare Schutzkappe gegen Beschädigung bei Start und Landung vorgesehen werden, die während des Fluges von der Zelle aus bedient werden kann.

 

13. Das Gesichtsfeld des PVE darf im gesamten Seiten- und Höheneinstellbereich möglichst durch nichts behindert sein. Abweichungen hier von sind nur mit Genehmigung des RLM zulässig.

 

14. Der Richtknüppel der Fernsteuerung muß so angeordnet sein, daß

a) der Schütze denselben bequem bedienen kann,

b) derselbe als fühlbares Hilfsvisier für das Aufsuchen des Zieles geeignet ist, d.h. die Richtung des Richtknüppels muß der Schußrichtung entsprechen.

 

15. Bei eingebautem PVE müssen folgende Teile zugänglich sein:

der Rasthebel für den Einblickstutzen, die Klemmschraube für das Stirnpolster, der Einstellknopf für den Verdunklungswiderstand, der Ve-Einstellknopf, der Farbglashebel sowie zum Auswechseln der Ve-Einstellring, die Glühlampe für die Strichglasbeleuchtung, der Deckel mit den Reservelampen und die beiden Schaugläser an den Trockenpatronen.

 

16. Je nach Verwendung und Anordnung im Flugzeug können der VE-Rechner, sowie die beiden Raststellungen des Einblickstutzen für Beobachtung und Nichtgebrauch in jeder beliebigen Seitenlage angeordnet werden. Die gewünschten Stellungen für den VE-Rechner und den Einblickstutzen müssen der Lieferfirma bei Auftragerteilung durch Skizze mitgeteilt werden.

Junkers Ju 288 - Führerraum mit Blindflugtafel- dazu den Fahrtmesser, Wendezeiger, FTK Führertochterkompass,  und Höhenmesser - rechts davon das Variometer und unterhalb das AFN 2 (Funkleitanzeigegerät)

Folgende Richtlinien waren ab 1943 gültig!

1. Einbauort so wählen, daß eine Verschmutzung der Glasglocke durch Fett- und Ölabsonderung der Motoren und Pulverschleim der Waffen nicht eintreten kann.

 

2. Um das PVE herum müssen im Flugzeug bzw. Visierstand nach allen Seiten ausreichend Fenster zur allgemeinen Orientierung vorgesehen werden, um dem Schützen das Auffassen des Zieles mit dem Richtknüppel der Fernsteuerung zu ermöglichen.

 

3. Die Periskopvisierachse muß in der Schnellfluglage des Flugzeuges rechtwinklig zur Ve-Richtung und zur Querachse des Flugzeuges liegen. Zulässige Winkelabweichung 1/2° in allen Richtungen.

(Die Hochachse des Waffenstandes muß grundsätzlich parallel zur Periskopvisierachse angeordnet sein).

 

4. Für das PVE muß eine flugzeugfeste Halterung vorgesehen werden, die aus einem Traglager und einem Stützlager besteht. Die Halterung gehört nicht zum Lieferumfang des PVE, sondern muß von der Flugzeugfirma beschafft werden.

 

Die Aufnahme des Traglagers muß:

 

a)    geteilt ausgeführt werden, um das Einbringen des PVE zu ermöglichen.

b)    in seinen Abmaßen muss das PVE für die kugelige Aufnahmefläche entsprechen, damit gewährleistet ist, daß sich das PVE in seiner LegersteIle leicht und ohne Zwang bewegen läßt,

c)    mit einem Haltearm für die Verdrehsicherung des PVE ausgerüstet sein. Dieser muß in seiner Richtung zur Flugzeuglängsachse so angeordnet sein, daß der Seitenzielstrahl 0° des PVE in Flugzeuglängsachse nach hinten zeigt.

Zum genauen Einjustieren des Zielstrahles ist am Haltearm für die Verdrehsicherung eine Justiermöglichkeit von +/- 3° vorzusehen.

Junkers Ju 288

Junkers Ju 290

Junkers Ju 390

Hookescher Schlüssel Einbaumappe PVE 9A

....

Persikopvisiere sind  ist Teil eines ganzen Waffensystem`s.  Dieses besteht aus einem elektrischen oder hydraulischen - Fernantrieb (FA)  und der dazugehörenden  ferngesteuerten Drehlaffette (FDL).

 

Mehr dazu unter....

 

                

"Fernantriebe der Deutschen Luftwaffe"

 

  Bitte "klicken"  Sie hierzu zum Thema :

Fernantriebe

 der Luftwaffe

Entwicklung und

TECHNIK